in Experten im Gespräch

Prof. Dr. Reinhard Zick: Nagelpilz in der diabetologischen Praxis

Das Diabetische Fußsyndrom (DFS) ist für rund 50 % der stationären Liegetage bei Diabetikern verantwortlich und mit 40-75 % der häufigste Grund für nichttraumatische Amputationen bei diesen Patienten. Prof. Dr. Reinhard Zick, ehemaliger Facharzt für Innere Medizin und Diabetologie in Osnabrück, klärt über den Zusammenhang zwischen DFS und Nagelpilz auf.

25.000 Diabetiker mit einem DFS müssen sich pro Jahr einer Major Amputation (d.h. oberhalb des Sprunggelenkes) unterziehen. Nur die Hälfte dieser Patienten ist drei Jahre nach diesem Eingriff noch am Leben. Die Ursache des DFS ist eine Kombination aus peripherer Durchblutungsstörung und Nervenerkrankung, die sowohl die sensorischen, motorischen, als auch autonomen Anteile betrifft. Der Zusammenhang zwischen DFS und Nagelpilzerkrankung ist weitgehend unbekannt oder wird verharmlosend dargestellt. Die Nagelpilzerkrankung verändert die Zehen- und Vorfußstatik, so dass in Verbindung mit anderen Faktoren die Diabetes-typischen Ulzerationen in diesem Bereich auftreten können.

An Infektionen dieser Fußgeschwüre, die zu den fatalen Folgen des DFS führen, sind Nagelpilzerkrankungen unmittelbar beteiligt. Die Häufigkeit von Nagelpilz-erkrankungen und Amputationen der Zehen ist signifikant miteinander verknüpft. Die Behandlung jeder Nagelpilzerkrankung bei Diabetikern mit einem DFS ist deshalb zwingend geboten, auch vor dem Hintergrund, dass die jährliche Zahl von 60.000 nichttraumatischen Amputationen im Fußbereich in der BRD nicht rückläufig ist.

In unserer Praxis hat es sich bewährt, auch bei ausgedehnten Fällen einer Onychomykose zunächst mit einer 2-wöchigen Lokalbehandlung mit Harnstoff/Bifonazol zu beginnen, gefolgt von einer 4-wöchigen Weiterbehandlung mit Bifonazol. Da wir bei Patienten mit DFS eine 100% Heilungsrate der Onychomykose anstreben, folgt neben der Lokalbehandlung nicht selten eine zusätzliche mehrmonatige systemische Therapie mit einem Antimykotikum. Durch Änderung der Galenik sind diese Antimykotika inzwischen verträglicher und auch in niedriger Dosierung anwendbar.

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Dr. Norbert-Heinz Becker