in Fußpilz

Unter Hautpilz oder Dermatomykose fassen Mediziner unterschiedliche Pilzinfektionen zusammen, die von mehreren Arten und Stämmen hervorgerufen werden. Je nach Verursacher können diese sehr aggressiv oder weitgehend harmlos sein. Hautärzte gehen davon aus, dass etwa ein Drittel aller in Deutschland lebenden Menschen mindestens einmal in ihrem Leben von einem Hautpilz betroffen ist.

Welche Pilze können Hauterkrankungen verursachen?

Die meisten Symptome werden durch Fadenpilze hervorgerufen, die den aus dem Altgriechischen stammenden Namen Dermatophyten tragen. Der medizinische Fachbegriff ist „Dermatophytose“ oder – nach dem lateinischen Wort für Holzwurm- „Tinea„. Neben diesen können auch Schimmel- und Hefepilze auf der Haut siedeln, falls das Immunsystem stark geschwächt ist. Letztere befallen in erster Linie die Schleimhäute im Mund oder im Genitalbereich.

Woran erkennen Sie Hautpilz?

Ein Hautpilz äußert sich je nach Typ durch unterschiedliche Symptome und Stadien. Oftmals macht er sich zunächst durch leichtes bis starkes Brennen und Jucken bemerkbar, später weicht die Haut auf und es entstehen Rötungen mit feinen, weißen Schuppen. Fadenpilze besitzen außerdem einen scharf abgegrenzten Umriss, der unterschiedliche Form und Größe annehmen kann. Wird die Infektion nicht bekämpft, breitet sie sich in unregelmäßigen Zeitintervallen aus.

Bei einem Kopfpilz sind auch die Haare betroffen – sie werden spröde und brechen kurz über der Kopfhaut ab. Anschließend setzt sich der Pilz in den Haarfollikeln fest und es bildet sich Schorf. Ohne Behandlung kann die Infektion entlang der Haarwurzel in tiefere Hautschichten eindringen und sich dort ausbreiten.

Einige Handpilzarten zeigen sich durch Bläschenbildung auf den betroffenen Stellen, im späteren Verlauf entstehen tiefe und schmerzhafte Hautrisse.

Welche Ursachen haben Hautpilze?

Der Kontakt von Pilzsporen mit der Haut ist außerhalb von medizinischen oder technologischen Reinräumen unvermeidlich. Als Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts 2009 die Pilzbelastung der Luft untersuchten, waren selbst Fachleute und Ärzte überrascht: In einem einzigen Kubikmeter fanden sie zwischen 1000 und 10.000 Sporen von mehreren Hundert Pilzarten. Viele von ihnen haben theoretisch die Fähigkeit, auf der menschlichen Haut zu siedeln, werden aber von dem menschlichen Immunsystem in der Regel schnell abgetötet.

Der überwiegende Teil der akuten Erkrankungen geht auf einige aggressive und an den Menschen angepasste Stämme zurück, die sich in erster Linie durch den direkten Kontakt mit Personen oder Haustieren übertragen.

Zahlreiche Risikofaktoren begünstigen die Entstehung von Hautpilz

Es gibt nur wenige Pilzarten, die bei einer Berührung in jedem Fall zu spürbaren Symptomen führen. Fast alle von ihnen sind in Nord- und Südamerika heimisch und benötigen ein spezielles Klima. Deshalb ist der Hautpilz in Europa auf Faktoren angewiesen, die seine Ausbreitung und Vermehrung begünstigen. Wie alle Pilze gedeiht er am besten in warmen, feuchten, dunklen und nährstoffreichen Umgebungen und befällt aus diesem Grund bevorzugt entsprechende Körperstellen wie Achseln, Schenkel oder die Leistengegend.

Die meisten Varianten des Hautpilzes vermehren sich bevorzugt in den oberen Hautschichten (Epidermis), in denen sie das Protein Keratin – ein wichtiger Bestandteil von Haaren und Hautzellen – als Nahrung nutzen. Existiert jedoch eine Öffnung wie eine Wunde oder eine Haarwurzel, können die Pilze entlang dieser Lücke im Abwehrmechanismus in tiefere Schichten wandern. Aus einer oberflächlichen Infektion (Tinea superficialis) entsteht so unter Umständen ein schwer zu behandelnder, tief sitzender Herd (Tinea profunda). Sie sollten deshalb auch bei intensivem Juckreiz dem Verlangen widerstehen, sich zu kratzen.

Wegen der erhöhten Absonderung von Schweiß gehört Übergewicht zu den Risikofaktoren. Der wichtigste ist allerdings ein geschwächtes Immunsystem durch eine chronische Vorerkrankung. Darunter fallen etwa Diabetes, HIV und die periphere arterielle Verschlusskrankheit (pAVK) – im Volksmund häufig als „Schaufensterkrankheit“ bezeichnet, da die Betroffenen beim Gehen häufig Pausen einlegen. Eine mangelhafte Durchblutung der Haut begünstigt ebenfalls das Wachstum, weshalb Rauchen ein weiterer Risikofaktor ist.

Eindeutige Diagnose und zielgerichtete Therapie

Leider führt eine Infektion Hautpilze je nach Stamm und Körperstelle zu unterschiedlichen Symptomen, die selbst Hautärzte nicht immer eindeutig von anderen Ursachen wie einem bakteriellen oder allergischen Ursprung abgrenzen können. Die Erstdiagnose erfolgt deshalb fast immer auf Verdacht und muss durch eine erweiterte Untersuchung bestätigt werden. Seit einigen Jahren existiert dazu ein Schnelltest, der die Existenz von Pilzen nachweist. Für die exakte Diagnose bieten sich zwei Verfahren an, die in vielen Fällen parallel eingesetzt werden:

– Mikroskopische Untersuchung des Erregers
– Vermehrung auf einem Nährmedium im Labor

Durch diese Kombination bestimmt der verantwortliche Facharzt den Typ des Hautpilzes und kann seine Behandlung auf dessen Eigenschaften und auf eventuelle Sekundärinfektionen abstimmen.

Antimykotika töten Pilze oder bekämpfen diese indirekt

Üblicherweise wird Pilzbefall an der betroffenen Stelle durch Salben, Cremes, Puder oder Tinkturen etwa in Sprays behandelt. Eingenommene Medikamente wie Tabletten erfordern eine höhere Dosierung und bergen das Risiko, starke Nebenwirkungen in Organen und auf der Zellebene hervorzurufen. Wegen der begrenzten und meist oberflächlichen Ausbreitung von Hautpilzen verspricht eine lokale Therapie hingegen gute Erfolge bei niedriger Wirkstoffmenge. Die Präparate sind meist gut verträglich und können längerfristig angewandt werden, ohne dass die Gefahr von Wechsel- und Nebenwirkungen besteht.

Es existieren zwei verschiedene Wirkweisen, die als fungizid und fungistatisch bezeichnet werden. Fungizide Medikamente töten den Pilz ab, indem sie beispielsweise seinen Stoffwechsel stören. Die meisten heute verwendeten Antimykotika sind fungistatisch. Sie wirken, indem sie in den Vermehrungszyklus eingreifen und dafür notwendige Stoffe verändern oder deren Produktion unterdrücken. Dabei nutzen sie die Tatsache, dass die Zellmembran von Pilzen zu einem großen Teil aus dem Enzym Ergosterol besteht. Die Antipilzmittel verhindern dessen Herstellung, so dass keine neuen Zellen zur Ausbreitung oder Regenerierung mehr produziert werden können. Der Pilz wird also nicht direkt bekämpft, sondern stirbt im Laufe der Zeit an einer natürlichen Alterung.

Azole – der bevorzugte Wirkstoff gegen Pilzerkrankungen

Viele populäre Medikamente beruhen auf Azolen, die aus Stickstoff, Kohlenstoff und Wasserstoff in einer zyklischen Verbindung zusammengesetzt sind. Sie sind basisch und hemmen bereits dadurch das Wachstum von Pilzen. Ihre Wirksamkeit entfalten sie durch ihre fungistatische Eigenschaft, die die Neubildung von Zellen unterbindet. Der Vorteil dieser Therapie ist, dass der Fortschritt einer Erkrankung relativ schnell gestoppt wird und wegen der fehlenden Giftigkeit nur wenig bis gar keine Nebenwirkungen auftreten. Ein Nachteil besteht darin, dass für eine vollständige Heilung eine längere Therapie erforderlich ist. Bekannte Vertreter dieser Medikamentengruppe sind Bifonazol, Clotrimazol, Pyridon oder Ciclopirox.

So wirkt „Bifonazol“:

Hausmittel als Alternative

Einige bekannte und teilweise schon seit Jahrhunderten genutzte Hausmittel gegen Hautpilze sind Essig, Teebaum– oder Lavendelöl, Knoblauch und Joghurt. Sie sind in unterschiedlichem Maße wirksam, wobei der genaue Mechanismus nicht bei allen vollständig erforscht ist. Studien aus Portugal wiesen nach, dass Lavendelöl bestimmte Faden- und Hefepilze abtötet. Essig bewirkt eine sehr saure Umgebung, in der Pilze nicht überlebensfähig sind. Obwohl Hausmittel häufig als „natürliche“ und schonende Alternative zu Medikamenten dargestellt werden, sollten Sie berücksichtigen, dass diese ebenfalls ungünstige Nebenwirkungen haben können. So strapaziert Essig in konzentrierter Form die ohnehin schon belastete Haut. Ganz verzichten sollten Sie auf die ebenfalls in einigen Fällen empfohlenen Wickel mit Kamille oder lange Bäder – das warme, feuchte Klima begünstigt die Ausbreitung eher als sie zu hemmen.

Wie gefährlich sind Hautpilze?

Ein Hautpilz ist störend und lästig, für Menschen mit einem intakten Immunsystem aber nur in sehr seltenen Ausnahmen irgendwie gefährlich. Unter anderem wegen des gemäßigten Klimas existieren in Europa keine hochinfektiösen und -aggressiven Stämme, die den gesamten Gesundheitszustand beeinträchtigen. Selbst Personen mit einem geschwächten Immunsystem besitzen in den meisten Fällen ausreichend Abwehrzellen, um einen Hautpilz unter Kontrolle zu halten. Ein Risiko sind allerdings Sekundärinfektionen zum Beispiel durch Viren oder Bakterien. Bei einigen Pilzarten entstehen tiefe Risse, die in tiefe Schichten der Haut reichen. Über diese können andere und gefährlichere Erreger bis in den Blutkreislauf eindringen.

Wie können Sie eine Infektion mit Hautpilz vermeiden?

Vorbeugung ist besser als Heilung – diese alte Volksweisheit gilt auch uneingeschränkt für den Hautpilz. Aggressive Stämme verbreiten sich in erster Linie durch den direkten Kontakt, wobei neben Menschen häufig Haustiere – darunter überdurchschnittlich oft Katzen – für die Übertragung verantwortlich sind. Öffentliche Räume mit einem warm-feuchten Klima wie Schwimmbäder und Saunen gelten wegen ihrer günstigen Bedingungen als besonders belastet – sie verursachen trotz aller Schutzmaßnahmen einen bedeutenden Anteil der Neuinfektionen mit Fuß- und Hautpilzen.

Leidet ein Familienmitglied unter einem Hautpilz, sollte auf strikte Hygiene geachtet werden. Als Richtlinie gilt, dass Sie Textilien wie Handtücher oder Bettwäsche mit mindestens 60° Celsius waschen müssen, um die Sporen zu töten. Im Unterschied zu Fußpilz wird Hautpilz in vielen Fällen nicht durch den unmittelbaren Kontakt mit der betroffenen Hautfläche, sondern indirekt über die Hand übertragen. Häufiges Händewaschen senkt dieses Risiko deutlich.

Wenn Sie Haustiere halten, besteht ein erhöhtes Risiko einer Infektion mit wirtsspezifischen Pilzen. Diese haben sich auf einen bestimmten Wirt – zum Beispiel Katzen, Hunde oder Vögel – angepasst und führen bei diesem zu keinen oder nur sehr leichten Symptomen. Springt er jedoch auf den Menschen über, breitet er sich in der neuen Umgebung schnell und aggressiv aus und führt zu einer starken Immunreaktion. Solche sogenannten Zoonosen sind für viele der heftigen und akuten Pilzerkrankungen verantwortlich. Achten Sie deshalb bei den Tieren auf gerötete Hautstellen, vermeiden Sie engen Hautkontakt und waschen Sie sich nach dem Streicheln die Hände.

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