Nagelpilz behandeln: Dr. Frauke Höllering erzählt aus ihrem Praxisalltag

In meiner Praxis gibt es eine ganze Bandbreite von Erkrankungen. Dramatische, die eine breite Diagnostik und umfangreiche Therapie erfordern. Aber auch kleine Störungen des Wohlbefindens. Früher habe ich diese kleinen Problemchen als Bagatellen und willkommene Atempausen im Praxisalltag angesehen. Heute weiß ich, dass auch Kleinigkeiten den Alltag der Betroffenen deutlich beeinträchtigen können.

Ein typischer Fall einer Nagelpilz-Patientin

Vor mir sitzt eine gepflegte Dame mittleren Alters. „Irgendetwas stimmt mit meinem Fußnagel nicht!“, sagt sie gerade. Ich bitte sie, den Fuß freizumachen. „Normalerweise lackiere ich die Nägel“, lächelt sie, „aber dann können sie ja nichts erkennen“. Was sie meint, ist auf den ersten Blick zu sehen. Der Nagel der großen Zehe ist weiß verfärbt. Am oberen Rand splittert er. „Ich feile ihn so sorgfältig, wie ich kann“, bemerkt die Patientin. „Außerdem nehme ich jeden Morgen Kieselerde. Aber der Nagel erholt sich nicht.“ Mir ist klar, warum der Nagel zerstört ist. Ein Pilz hat ihn befallen. Die sorgfältige Untersuchung zeigt, dass der Pilz schon bis zum Nagelbett gewandert ist. „Zuerst muss die infizierte Nagelsubstanz entfernt werden“, sage ich. „Am effektivsten und vor allem schmerzfrei schaffen wir das zum Beispiel mit einer harnstoffhaltigen Salbe, die einen Wirkstoff gegen Pilze enthält und einer anschließenden Weiterbehandlung. Der Nagel kann dann gesund nachwachsen.“ „Kann man den kaputten Nagel nicht einfach ziehen?“, werde ich nun gefragt. Ich muss die Patientin enttäuschen. Wenn der Pilz das Nagelbett befallen hat, wächst der Nagel nach der Entfernung wieder krank nach. Ich kann ihr aber dennoch Mut machen, denn mit der vorgeschlagenen Behandlung kann ihr Nagelpilz in wenigen Wochen abgeheilt sein. „Ich dachte schon, ich müsste mir einen dunklen Nagellack kaufen“, lächelt sie. „Aber dann brauche ich ja bald nichts mehr zu vertuschen!“. Sie hat Recht, und für die Nagelgesundheit ist meine Therapie sowieso die bessere Alternative. Insbesondere für die betroffenen männlichen Patienten!

 

Wie bei Dr. Höllering und vielen Fachärzten konsultieren die unterschiedlichen Patientengruppen in der täglichen Praxis ihren Arzt, die ein gesteigertes Risiko für Nagelpilz aufgrund anderer Erkrankungen haben.

Nagelpilz – Risikofaktor Diabetes

Erhöht kritisch sind Nagelpilzinfektionen bei Diabetespatienten, weil es bei ihnen leicht zu gefährlichen Sekundärinfektionen kommen kann. Außerdem haben Diabetiker ein stark erhöhtes Risiko, an Nagelpilz zu erkranken; bei vielen tritt die Erkrankung daher oftmals wieder auf. Um das Problem besser in den Griff zu bekommen, empfiehlt sich eine antimykotische Therapie, mit der auch widerstandsfähige Pilzsporen erfasst werden.

Mindestens einmal im Jahr zum ärztlichen Fuß-Check

Die meisten Nagelpilzinfektionen werden von Dermatophyten verursacht – sie sind für mehr als 80 Prozent aller Nagelmykosen verantwortlich. Häufigster Erreger ist Trichophyton rubrum, gefolgt von Trichophyton mentagrophytes. Daneben können auch Nicht-Dermatophyten wie z.B. Hefen (ca. acht Prozent) und Schimmelpilze (circa sechs Prozent) oder Mischformen eine Nagelmykose auslösen.

Typischer Verlauf der Nagelmykose

Die meisten Nagelmykosen beginnen am freien Nagelende bzw. an dem seitlichen Nagelrand. Von dort wandern die Erreger unter und in die Nagelplatte (distale beziehungsweise distolaterale subunguale Onychomykose). Die infizierten Bereiche werden trüb, verändern ihre Farbe zu gelblich-bräunlich. Nach und nach breiten sich die Veränderungen vom vorderen Nagelrand nach hinten aus. Der Nagel wächst nicht mehr gleichmäßig, beginnt sich zu wölben und dann zu verdicken. Im weiteren Verlauf zerbröckelt die Nagelplatte und hebt sich schließlich vom Nagelbett ab. Zum Schluss kann es zum vollständigen Verlust des Nagels kommen.

Besonders wichtig: da der Nagel immer stärker verkümmert, können Bakterien einwandern, sogar schwere Entzündungen des Nagelbetts auslösen. Bei ausbleibender Behandlung: die Infektion kann auf andere Nägel und auf die Haut übergreifen und…  – andere Personen können sich auch anstecken.

Eine Nagelmykose muss daher unbedingt behandelt werden. Dies gilt für alle Patienten, für Diabetiker ganz besonders. Denn aufgrund der schlechten Durchblutung und der geschwächten Immunabwehr können Fuß- und Nagelmykosen leicht zu einer Superinfektion mit Viren und/oder Bakterien führen und zum Krankheitsbild des diabetischen Fußes beitragen.

Oft unterschätzt: Im Vergleich zu Diabetikern ohne Nagelmykose besitzen Diabetes-Patienten mit Nagelmykose ein erheblich höheres Risiko für Gewebsnekrosen an den Füßen.

Diabetes begünstigt Nagelpilz

Eine Diabeteserkrankung begünstigt generell das Auftreten von Infektionskrankheiten  – und somit auch eine Pilzerkrankung an Finger- oder Zehennägeln. Speziell bei Diabetes auftretenden Durchblutungsstörungen begünstigen einen Befall durch Pilze. Pilzinfektionen werden bei Diabetikern oft erst spät bemerkt. Aufgrund peripherer Nervenschädigungen, die eine häufige Folge von Diabeteserkrankungen sind, werden typische Symptome wie Jucken oder Schmerzen nicht oder erst viel später registriert. Neuropathien sind der Grund, warum Diabetiker kleine Verletzungen der Haut oder Nägel, die das Eindringen pathogener Pilze erleichtern, oft nicht wahrnehmen. Und was erschwerend hinzukommt: ältere Diabetiker sind in vielen Fällen aufgrund eines eingeschränkten Sehvermögens und einer geringen Beweglichkeit nicht mehr in der Lage sind, eine gründliche Fußpflege und Kontrolle zu betreiben.

Diabetiker: besonders gefährdet

Nicht nur aufgrund der hohen Prävalenz, auch aufgrund der Gefahr für schwerwiegende Folgeschäden, sind Diabetiker eine besondere Risikogruppe. Bei ihnen sollte bei geringstem Verdacht auf Nagelmykose eine ärztliche Diagnose erfolgen und im Falle sofort eine Behandlung der Nagelmykose beginnen.

In der systemischen Therapie werden verschreibungspflichtige Antimykotika eingesetzt. Ein Nachteil ist das im Vergleich zur lokalen Therapie höhere Nebenwirkungsrisiko, da die Wirkstoffe über den Blutkreislauf in den Körper gelangen, verschiedene unerwünschte Nebenwirkungen hervorrufen können. Mögliche Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten sind zu beachten. Diese verschreibungspflichtigen Antimykotika können den Plasmaspiegel verschiedener Arzneimittel, darunter auch orale Antidiabetika, erhöhen. Eine systemische Therapie sollte daher insbesondere bei Diabetikern sorgfältig mit dem behandelnden Arzt abgestimmt werden.

Eine systemische Therapie wird oft dann eingesetzt, wenn mehr als zwei Nägel befallen sind sowie bei einem Befall von über 50 Prozent der Nagelfläche oder einer Beteiligung der Nagelmatrix. In diesen Fällen ist der Pilz bereits so weit vorgedrungen, dass er sofort jede neu gebildete Nagelsubstanz reinfiziert. Ist eine systemische Therapie notwendig, sollte diese idealerweise in Kombination mit einer lokalen Therapie vorgenommen werden, da so ein besserer Behandlungserfolg erzielt werden kann.